7 wichtige Lektionen, die ich auf meiner Reise in Nordskandinavien gelernt habe

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Wenn ich mir meine eigenen Facebookbeiträge der letzten Wochen meines Finnland-Norwegen-Abenteuers durchlese, dann kommt es mir selbst so vor, dass ich mich ständig über das Wetter beschwert habe.

Es regnet. Es stürmt. Es ist kalt. Und so weiter.

Es ärgert mich, dass die tollen, unvergesslichen, überraschende und unglaubliche Erlebnisse in meiner Berichterstattung viel zu kurz kamen. Das miese Wetter, das uns insgesamt fast zwei Wochen verfolgte, spielte jedoch eine große Rolle.

Als ich jedoch heute Morgen aus dem weichen, warmen Bett aufstand und meine Eltern sich über das Wetter (ganze 15°C und etwas Nieselregen- was haben sie denn?) beschwerten, dachte ich über die letzten Wochen nach. Und auch darüber, wie sie mich geprägt haben.

Meine wichtigste Erkenntnis war, dass zum größten Teil nicht das Wetter, sondern ich selbst, zu meinem schlechten Gemüt beigetragen habe, denn:

1. Wer nach Nordskandinavien fährt, muss einfach mit schlechtem Wetter rechnen.

Punkt. Es gehört einfach dazu. Hast du einmal kein schlechtes Wetter, hast du einfach sehr viel Glück. Das liegt vor allem an dem Atlantischen Ozean und dem hohem Gebirge. Aber genau dieses Wetter ist es, dass die Landschaft so einzigartig macht. Wäre der Regenwald auch noch so saftig grün und erfüllt vom Leben, wenn es da nicht ständig regnen würde? So ist ist auch in Nordskandinavien. Naja – nur etwas kälter – eben.

Auf den Vesterålen staunte ich nicht schlecht über die gefühlt tausende Grüntöne Mitte Juni, während in Nordfinnland noch kein einziges Blatt den Baum schmückte.
Denn in (Nord)Finnland schaut es klimatisch ganz anders aus – hier wird das Wetter eher vom Landklima beherrscht, im Klartext heißt es weniger Niederschläge, richtig kalte Winter und heiße Sommer.
Denn: dank dem skandinavische Gebirge bleibt Finnland vom miesen Wetter verschont. (Danke Norwegen!)

Da ich das Klima Finnlands in den letzten neun Monaten kennen und lieben lernen durfte (das Lieben bezieht sich mehr auf Lappland – Südfinnland ist nicht vom Niederschlag verschont) war ich total überrascht, auf dem gleichen Breitengrad ein total anderes Klima zu erleben.

Irgendwie naiv, oder?

2. Richtige Vorbereitung ist das A und O

Die Planung der Reise nahm ich auf die leichte Schulter – was die konkreten Destinationen und Zeit anging, war es für mich die vollkommen richtige Herangehensweise, nicht jedoch aber was die Ausrüstung, Kleidung, Essen und Vorstellung vom Wetter betraf.

    a) Vorstellung von dem Wetter

    Ich schaute ab und zu nach dem Wetterbericht auf den Vesterålen – in Mai sah das Wetter tatsächlich sehr gut aus. Für das Klima im Ganzen hatte ich keinen jedoch Blick.

    So ähnlich sah es mit Kilpisjärvi – dem nordwestlichsten Ende Finnlands – aus. Während ich Ende Mai schon leicht bekleidet in Turku (Südfinnland) durch die Gegend rannte, ließ mein Kopf die Vorstellung von Minusgraden und Schnee einfach nicht zu.

    Dabei hätte etwas Recherche die große Überraschung erspart. Zum Vergleich hatten wir jetzt Mitte Juni in Kilpisjärvi nicht anderes Wetter als etwa Februar in Deutschland. Das ist jedoch nicht unüblich in der Ecke. Wir hatten sogar richtig Glück gehabt: trotz der schlechten Wetteraussichten blieb es weitgehend trocken und sonnig.

    b) Richtige Kleidung

    Während eines, mit zahlreichen Outdoorerlebnissen gefüllten, Jahres in Finnland habe ich hochwertige Outdoorbekleidung angesammelt. Meine Softshelljacke, zum Beispiel, tut zu jeder (skandinavischen) Jahreszeit und zu jedem Wetter hervorragende Dienste. Für niedrige Temperaturen habe ich mir eine warme Softshellwanderhose zugelegt – und vergessen, diese nach einer kurzen Reise nach Deutschland, wieder mitzunehmen.
    Aber, ach, kein Problem. Es ist doch Mitte Juni, da brauche ich meine Winterwanderhose doch gar nicht. Anstatt sie mir zuschicken zu lassen, zog ich mit einer dünnen Alltagsstoffhose los.

    Die Flüche, die ich bei Hagel und Sturm auf einem Gipfel auf den Vesterålen aussprach, als meine Hose nass und eiskalt war, lass ich lieber deiner Fantasie überlassen.

    Ansonsten hätte mir auch ein zusätzliches, natürlich zu Hause liegendes, Thermounterwäscheset auch nicht geschadet. Aber gut, das Mädel hat sich ja wirklich darauf verlassen, dass weit über dem Polarkreis im Juni Badesaisonverhältnisse herrschen.

    c) Richtige Ausrüstung

    Ich weiß, dass ich eine Frostbeule bin. Und ich weiß, wie ich mich vor Kälte schützen kann. Leider habe ich wegen meiner Naivität meine Schlechtwetterausrüstung zu Hause gelassen. Klar, mein wintertauglicher Schlafsack wird immer mitgenommen; meine kleine, leichte, aber wirkungsvolle Decke und die kleine leichte Thermosflasche dagegen zuhause gelassen.
    Wäre die Decke dabei, könnten wir bei Nichtregen mehr Zelten und hätten so einige fünfhundert Kronen gespart.

    Was hätte ich denn für einen Schluck heißen Ingwertee bei der Wanderung auf den Vesterålen oder beim stundenlangen Warten auf einen Anhalter beim Regen gegeben?

    d) Richtiges Essen

    Vor meiner Skitour in März habe ich penibel das Essen zusammengestellt: wärmende Lebensmittel, richtige Gewürze, ausreichend Fett. Mit dem Ergebnis, dass ich auf der Wintertour kein einziges Mal richtig gefroren habe. Erst am Ende der Finnland-Norwegen-Reise fiel mir auf, dass ich so gut wie kein Fett zu mir genommen hab – zum Frühstück kaltes Müsli mit fettarmer Milch, mittags Müsliriegel und Trockenfrüchte, abends Trekkingnahrung, die aber, abgesehen von den Nudeln mit Käsesoße nicht besonders viel Fett enthielt.
    Es gab fast immer nur kaltes, fettarmes Essen. Nicht einmal eine Packung Nüsse habe ich eingepackt! Da brauchte ich mich gar nicht zu wundern, weshalb ich so extrem gefroren habe.

    Viel lag daran, dass ich mir einer Naivität an das Wetter die Reise angetreten bin. Klappernde Zähne hätte ich vermeiden können, die Gefahren in den Bergen, die ein heftiger Sturm mit sich bringen kann, jedoch nicht wirklich.

Deshalb:

3. Immer einen Alternativplan haben

Dauerregen auf den Vesterålen? Anstatt uns noch mehr aufzuregen, beschlossen wir unsere Zeit dort zu beenden und wieder nordwärts loszuziehen. Und wurden mit (teilweise) großartigem Wetter in Kipisjärvi in Finnland belohnt. Heftiger Sturm und Regen hindert am weiterziehen? Dann muss eben ein ganzer Tag in einer Hütte verbracht werden.

4. Immer mehr Essen einpacken

Auf den Vesterålen wollten wir natürlich die Dronningruta – einen der schönsten Wanderwege Norwegens laufen. Der Wetterbericht sah jedoch sehr ernüchternd aus – wegen eines heftigen Sturms wurde uns geraten, die Tour auf einen nächsten Tag zu verschieden und damit einen Tag in einer einsamen Hütte zu verbringen. Somit ließen wir unser Hauptgepäck im Cafe und liefen für 2 Tage mit Essen bepackt zu der entlegenen, aber auf dem Weg liegenden, einsamen Hütte.

Leider nahm der Regen und der Sturm nicht ab, nach einem kurzem Telefonat mit einem Einheimischen wurde uns dringend abgeraten an dem neuen Tag die Route zu laufen.

Das Problem war nur die Tatsache, dass wir zu wenig Essen eingeplant haben. Glück im Unglück: Anke hatte vergessen, 2 Packungen Nudeln aus ihrem Rucksack rauszunehmen, die im Cafe gelassen werden sollte. Weiterhin klärte es am zweiten Tag etwas auf, somit konnten wir abends noch in ein 2 Stunden entferntes Fischerdörfchen wandern und dort unsere Energievorräte auffüllen. Hätte Anke nicht mehr mitgenommen und wäre uns die Wanderung wegen schlechten Wetters nicht möglich gewesen, hätten wir am Tag danach zurückkehren müssen.

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5. Lernen, sich zu überwinden

Manchmal geht es einfach nicht anders, als einen Tag mehr in der Hütte zu bleiben und abzuwarten. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Oft musst du dich einfach überwinden, einfach rausgehen in den strömenden Regen, Wind, Matsch und Kälte. Dabei kann es sehr unangenehm werden, aber das ist dann einfach so. Und gehört auch oft dazu. Planst du eine Reise nach Nordskandinavien, musst du einfach damit rechnen. Ich glaube nicht, dass die Natur noch so unberührt, wild und einsam wäre, wenn es eine Garantie für gutes Wetter gäbe. Aber genau das reizt mich doch an Nordskandinavien, dich nicht etwa auch?

6. Ansprüche ändern

Fragt mich jemand, was ich unter perfekten Wetter verstehe, lautet meine Antwort nun: im Winter mindestens minus 5 Grad, am besten viel niedriger, im Herbst und Frühling etwa 13°C und regenfrei und im Sommer freue ich mich auf sonnige 19°C. Während ich hier in Deutschland bei mittlerweile ganzen 12°C und Nieselregen sitze, freue ich mich schon im Laufe des Nachmittags bei der Wärme rauszugehen.
Richtiges Ekelwetter ist und bleibt für mich bei jeder Jahreszeit etwa 5°C und Regen. Diese nasse Kälte macht mich einfach wahnsinnig. Entweder richtig kalt oder noch 5°C wärmer.
Kommt ein richtig heißer Tag dazwischen, dann mache ich Luftsprünge. Auf langandauenrde Hitze habe ich mittlerweile keine Lust mehr, da das Wandern für mich dann einfach keinen Spaß mehr macht.

Mit den sinkenden Temperaturen in Nordskandinavien sind auch meine Ansprüche gesunken und ich freue mich umso mehr auf einen warmen, sonnigen Tag.

Das perfekte Wetter in Kilpisjärvi im Juni

Das perfekte Wetter in Kilpisjärvi.

7. Alle kleinen und großen Zufälle haben einen Grund.

Ja, ich glaube daran. Wir haben so viele großartige und unvergessliche Erlebnisse gehabt, die auf dem ersten Blick nur auf Zufällen basierten.
Schon am Anfang konnten wir nicht auf dem geplanten Campingplatz bleiben, weil es zu hatte;
wir wollten nicht zelten, da Schnee angesagt war;
wir mussten unsere Zeit auf den Vesterålen kürzen, da Dauerregen das Geschehen regierte
und noch viele andere Zufälle, über die ich in den nächsten Wochen berichten werde.

Unser fast dreiwöchiges Finnland-Norwegen Abenteuer wäre nur halb so einzigartig gewesen, wenn nicht alles so gekommen wäre, wie es letztendlich gekommen ist. Für alles, was uns nicht möglich war zu machen, haben wir andere großartige Erfahrungen gesammelt.

Für alle miesen Momente und heiklen Situationen bin ich dankbar, denn wir haben alle gemeistert und können daraus für die nächste Tour lernen.

Fazit:

Bei einem Nordskandinavienabenteuer gibt es fast immer eine Schlechtwettergarantie. Das sollte dir jedoch nicht die Reise vermiesen oder dich sogar davon abhalten. Rechnest du damit, kannst du dich besser darauf vorbereiten, dich psychisch und physisch darauf einstellen und hast mehr Raum im Kopf dich auf die atemberaubende Schönheit zu konzentrieren, die dich umgeben wird.

Vergiss nicht, dass das genau das Wetter ist, das die Natur Nordskandinaviens so einzigartig macht. Die Erlebnisse und Erfahrungen, die du machst, hängen nicht vom Wetter ab. Das Wetter während meines Finnland-Norwegen-Abenteuers hat mich noch größeren Respekt vor der Natur gelehrt, aber auch geduldiger zu sein oder sich einfach zu überwinden und rauszugehen.

Denn wer weiß, vielleicht hört der Sturm nur wenig später auf und du kannst, auf einem Gipfel stehend und von der Sonne wärmend, einen atemberaubenden Ausblick genießen.

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Welche Erfahrungen hast du in Nordskandinavien mit dem Wetter gemacht?

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Gedanken

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2 Comments

  1. 1

    Hallo Ana, da hast Du eine schoene Zusammenfassung geschrieben, ueber die Herausforderungen in Nordskandinavien. Man muss sich schon manchmal sehr zusammenreissen…. Belohnt wird man mit lebenslangen Erinnerungen an Landschaften und Begegnungen und persoenlichen Einsichten. Viele Gruesse, Sabine

    • 2

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